1998
Wie Alles begann
Auf einmal war alles ganz anders! Kurz vorher hatte das Telefon ganz harmlos geklingelt und als ich nun wieder den Hörer auf die Gabel gleiten ließ, fühlte ich mich ganz benommen. Mein Tanztrainer hatte mir gerade ein Angebot gemacht, in seiner neuen Jazzformation mit zutanzen. Ich wusste seit längerem, dass er eine neue Formation plante, mit der er viel vor hatte. Nach diesem Gespräch war mir klar: es würde harte Arbeit für mich werden.
Dies bekam ich dann auch gleich beim ersten Training zu spüren. Viele der anderen Mädchen in der neuen Formation kamen aus einer Ballettklasse von Stefan und hatten nie zuvor Jazz getanzt. Wir vier, die aus meiner alten Jazzformation übrig geblieben waren, hatten zum Teil keine klassische Ausbildung. Das Training, das wir in den nächsten Monaten absolvierten, war härter und für uns alle ungewohnt. Mehrere Wochen musste Stefan unsere unbeholfenen Versuche eine wirklich sexy Schulterbewegung oder eine aufregende Hüftdrehung hinzubekommen mit ansehen. Als wir Anfang September 1998 das erste Mal zusammen trainierten, freuten wir uns alle auf den ersten gemeinsamen Auftritt. Doch als dieser näher rückte, blieb für die Vorfreude keine Zeit. Eifrig lernten wir, wie wir uns für eine Bühne zu schminken hatten und wo, wie und wieso wir künstliche Wimpern tragen sollten. Stefan hatte es in dieser Zeit auch nicht leicht: man kann sich lebhaft vorstellen, wie ihn die Blicke trafen als er bei Karstadt zwölf Paar Wimpern aussuchte.
Nun war der große Abend gekommen. Alle Gruppen, die Stefan unterrichtete, sollten an diesem großen Abend etwas darbieten. Oh mein Gott, wir hatten einen eigenen Stylisten (na gut, er war für alle zuständig, aber trotzdem...) Die Aufregung stieg! Kurz vor der Pause sollten erst die Mädels aus unserer Gruppe die Ballett hatten ein klassisches Stück tanzen. Und dann folgten unsere beiden 20-er Jahre Nummern. Zum ersten Mal trat die gesamte Jazzformation auf.
Als wir auf der Bühnen waren fühlten wir, wie viel wir in den letzten Monaten gemeinsam geschafft hatten.
Erleichtert und zufrieden konnten wir dann den zweiten Teil des Abends vom Zuschauerraum aus genießen. Wir sollten in der Krimi-Interpretation die Stefan für die Showformation „on stage“, choreographiert hatte, vom Zuschauerraum aus schon einmal sehen, welch langer und aufregender Weg noch vor uns lag, bis wir einmal den gesamten Teil eines Tanzabends füllen können würden.
Friederike Wieczorek